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In K ya-sen, center of the school Shingon of the Esoteric Buddhism

 

Weisst du, dass die Bäume reden? Ja, sie reden. Sie sprechen miteinander, und sie sprechen zu dir, wenn du zuhörst. Aber die weissen Menschen hören nicht zu. Sie haben es nie der Mühe wert gefunden, uns Indianer anzuhören, und ich fürchte, sie werden auch auf die anderen Stimmen in der Natur nicht hören. Ich selbst habe viel von den Bäumen erfahren: manchmal etwas über das Wetter, manchmal über Tiere, manchmal über den Grossen Geist.
(Tatanga Mani, Stoney)


Eine Geschichte vom Frosch, dem alten Mann und dem kochenden Wasser


Es war einmal ein alter Mann, der vor seiner Hütte saß und über das Leben nachdachte. Und während er so da saß, entdeckte er am Ufer des kleinen Sees einen Frosch. Der alte Mann packte den Frosch und nahm ihn mit in seine Hütte, wo er ihn sogleich in einen großen Topf mit kochendem Wasser gab. Der Frosch machte einen entsetzten Sprung aus dem Topf und sprang schnell wieder aus der Hütte hinaus, noch ehe der alte Mann es bemerkte.

Wieder saß der alte Mann vor seiner Hütte, und wieder dachte er über das Leben nach. Er dachte an den Frosch, der sich sicherlich ordentlich verbrannt hatte, sich aber beherzt der Situation entzogen hatte, um weiter leben zu können.

Da bemerkte der alte Mann wiederum einen Frosch am Ufer des Sees und der alte Mann nahm auch diesen Frosch mit in die Hütte. Da er dieses Mal keinen Topf mit kochendem Wasser auf dem Ofen stehen hatte, setzte er den Frosch in einen Topf mit kaltem Wasser und zündete dann den Ofen an. Kurze Zeit später setzte er den Topf auf das Feuer.

Zu seinem Erstaunen stellte der alte Mann fest, dass der Frosch im Topf sitzen geblieben war und auch weiter blieb. Das Wasser wurde immer wärmer, schließlich heiß und dann kochend, doch der Frosch blieb selbst im kochenden Wasser sitzen und machte keinerlei Anstalten der bedrohlichen Situation zu entkommen. Der alte Mann freute sich über das unerwartete Abendmahl und dachte weiter über das Leben nach, während er genüsslich seine Froschsuppe schlürfte.

Eine Frage ließ dem alten Mann einfach keine Ruhe: Warum war der Frosch nicht irgendwann doch aus dem immer heißer werdenden Wasser gesprungen, sondern lieber gestorben, als sich zu retten?

Der alte Mann dachte an die Menschen und er glaubte, eine gewisse Ähnlichkeit im Verhalten des Frosches und der Menschen entdeckt zu haben: Gab es nicht auch Menschen, die in ihrem Leben nichts änderten, obwohl es ihnen immer schlechter und schlechter ging oder eine Situation immer bedrohlicher wurde? Lieber starben diese Menschen, als sich durch einen beherzten Sprung heraus aus der Problemsituation zu retten. Oder hatte der Frosch erst viel zu spät bemerkt, wie heiß das Wasser war und er hatte dann keine Kraft mehr für die rettende Veränderung und ergab sich so seinem Schicksal.

Verfasser unbekannt

Fazit/Frage: Wenn die Verschlechterung nicht schleichend sondern immer schlagartig käme, würden die Menschen dann aus dem kochenden Wasser springen? Würden die Menschen dann ins Handeln kommen und etwas verändern?

  • Die Geschichte von der Sandwüste
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  • Ein Strom floss von seinem Ursprung in fernen Gebirgen durch sehr verschiedene Landschaften und erreichte schließlich die Sandwüste. Genauso wie er alle anderen Hindernisse überwunden hatte, versuchte der Strom nun auch, die Wüste zu durchqueren. Aber er merkte, dass – so schnell er auch in den Sand fließen mochte – seine Wasser verschwanden.

  • Er war jedoch überzeugt davon, dass es seine Bestimmung sei, die Wüste zu durchqueren, auch wenn es keinen Weg gab. Da hörte er, wie eine verborgene Stimme, die aus der Wüste kam, ihm zuflüsterte: „Der Wind durchquert die Wüste, und der Strom kann es auch.“

  • Der Strom wandte ein, dass er sich doch gegen den Sand werfe, aber dabei nur aufgesogen würde; der Wind aber kann fliegen, und deshalb vermag er die Wüste zu durchqueren.

  • „Wenn du dich auf die gewohnte Weise vorantreibst, wird es dir unmöglich sein, sie zu überqueren. Du wirst entweder verschwinden, oder du wirst ein Sumpf. Du musst dem Wind erlauben, dich zu deinem Bestimmungsort hinüberzutragen.“

  • Aber wie sollte das zugehen? „Indem du dich von ihm aufnehmen lässt.“

  • Diese Vorstellung war für den Fluss unannehmbar. Schließlich war er noch nie zuvor aufgesogen worden. Er wollte keinesfalls seine Eigenart verlieren. Denn wenn man sich einmal verliert, wie kann man da wissen, ob man sich je wiedergewinnt.

  • „Der Wind erfüllt seine Aufgabe“, sagte der Sand. „Er nimmt das Wasser auf, trägt es über die Wüste und lässt es dann wieder fallen. Als Regen fällt es hernieder, und das Wasser wird wieder ein Fluss.“

  • „Woher kann ich wissen, ob das wirklich wahr ist?“

  • „Es ist so, und wenn du es nicht glaubst, kannst du eben nur ein Sumpf werden. Und auch das würde viele, viele Jahre dauern; und es ist bestimmt nicht dasselbe wie ein Fluss.“

  • „Aber kann ich nicht derselbe Fluss bleiben, der ich bin?“

  • „In keinem Fall kannst du bleiben, was du bist“, flüsterte die geheimnisvolle Stimme. „Was wahrhaft wesentlich an dir ist, wird fortgetragen und bildet wieder einen Strom. Heute wirst du nach dem genannt, was du jetzt gerade bist, doch du weißt nicht, welcher Teil deines Selbst wesentlich ist.“

  • Als der Strom dies alles hörte, stieg in seinem Inneren langsam ein Widerhall auf. Dunkel erinnerte er sich an einen Zustand, in dem der Wind ihn – oder einen Teil von ihm? War es so? – auf seinen Schwingen getragen hatte. Er erinnerte sich auch daran, dass dieses, und nicht das jedermann Sichtbare, das Eigentliche war, was zu tun wäre – oder tat er es schon?

  • Und der Strom ließ seinen Dunst aufsteigen in die Arme des Windes, der ihn willkommen hieß, sachte und leicht aufwärts trug und ihn, sobald sie nach vielen, vielen Meilen den Gipfel des Gebirges erreicht hatten, wieder sanft herabfallen ließ. Und weil er voller Bedenken gewesen war, konnte der Strom nun in seinem Gemüte die Erfahrungen in allen Einzelheiten viel deutlicher festhalten und erinnern und davon berichten. Er erkannte: „Ja, jetzt bin ich wirklich ich selbst.“

  • Der Strom lernte. Aber die Sandwüste flüsterte: „Wir wissen, weil wir sehen, wie es sich Tag für Tag ereignet: denn wir, die Sandwüste, sind immer dabei, das ganze Flussufer entlang bis hin zum Gebirge.“

  • Und deshalb sagt man, dass der Weg, den der Strom des Lebens auf seiner Reise einschlagen muss, in den Sand geschrieben ist.

  • Diese schöne Geschichte wird in vielen Sprachen mündlich überliefert. Die vorliegende Fassung stammt von dem Tunesier Awad Afifi, der 1870 gestorben ist. Aus: Idries Shah, Das Geheimnis der Derwische, Herder Verlag
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  • Peter hört das Lied der Schöpfung und der Weisheit 

  • Es war einmal ein Mann namens Peter, der sehr viel Wissen wollte. Ihn interessierte, wie alles geschaffen worden ist, wo die Winde herkommen, was das Wasser erzählt, die Sprache der Erde und von allem was auf ihr wächst. Er verstand nicht den Mond und die Sonne auch nicht den Lauf der Sterne.
  • Die ganze Sehnsucht seines Herzens trieb ihn und so machte er sich auf die Suche nach dem Wissen. Er ging viele Wege, fragte viele Menschen. Niemand wusste es. Er suchte Lehrer, weil er glaubte, die müssten doch alles wissen, aber jeder sagte ihm etwas anderes und viele Lehrer lebten ein Leben, das nicht zu dem passte, was sie lehrten. Er lass viele Bücher, in verschiedenen Sprachen. Dem armen Peter schwirrte der Kopf über so vielen Worten, Wahrheiten und Lügen. Er war viel Geld losgeworden an die Lehrer und für Bücher und nun besaß er nicht mehr viel. Nirgends fand er das, was er suchte.
  • So begab er sich wieder allein auf die Suche. Seine Wege führten ihn durch die Weite der Welt. Er sah in die dunkelsten Wälder, die tiefsten Flüsse, die weitesten Meere, er stieg auf die höchsten Berge, kletterte in die endlosen Höhlen. Egal wohin er kam, überall stolperte er über einen Stein und fiel hin. Er fluchte jedes Mal und schenkte dem Stein keine Beachtung, ja, er trat mit dem Fuß dagegen, so dass er weit weg flog und tat sich dabei noch am Fuß weh. Es war ja nur ein einfacher, schwerer, dunkelgrauer, schmutziger Feldstein.
  • Nach langem, erfolglosem Suchen begab er sich wieder auf den Heimweg zu seinem Haus. Er war müde und vom vielen Hinfallen tat ihm alles weh. Als er in der Ferne sein Haus wieder sah, war er einerseits froh, wieder nach Hause zu kommen, nach seiner schmerzhaften Reise. Andererseits war er sehr traurig. Peter erinnerte sich, dass er ja ausgezogen war, um das Wissen zu finden und er kam nun nach all den Jahren mit leeren Händen, mit brummenden Kopf, ohne Geld und mit traurigem Herzen nach Hause.
  • Beim letzten Schritt über die Schwelle in sein Haus stolperte er erneut und fiel der Länge nach hin. Er sah zu Boden und da war wieder der Stein. Diesmal fluchte er nicht, vielleicht war er aber auch schon zu müde. Er sah ihn sich genau an. Es war wieder dieser unscheinbare Feldstein, der ihn auf seinem ganzen Weg begleitet hat, über den er schon so oft gestolpert war, der ihm schon so viele Schmerzen bereitet hatte. Nun saß Peter auf der Erde und betrachtete den Stein zu ersten Mal genauer. Er war grau, durchzogen von feinen Linien anderer Farben, er sah Gelb, ein dunkles rot, eine weiße Stelle und eine ganz kleine glitzernde Stelle, als der letzte Rest der Abendsonne auf den Stein fiel. Peter hob ihn auf und hielt ihn in der Hand. Der Stein war sehr schwer und kühl. Langsam begann er sich in seiner Hand zu erwärmen, es war, als schmiegte sich dieser große Stein in seine Hand.
  • Peter nahm den Stein mit in sein Haus und legte ihn auf die Fensterbank, da konnte er wenigstens nicht mehr über ihn stolpern. Er sah den Stein im Licht der Sonne und im Lichte des Mondes an. Der Stein blieb, was er war. Er begann mit dem Stein zu sprechen, erzählte ihm Geschichten von seiner Reise durch die Welt, aber der Stein lag einfach nur da, und er wusste nicht, ob er ihm überhaupt zuhörte. Peter stellte eine Schüssel mit Hirse, ein paar Blumen, eine Schale mit Wasser zu dem Stein. Aber der Stein wurde weder schöner dadurch, noch wusste Peter, was es mit diesem Stein auf sich hatte.
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  • So ging es ein Jahr lang. Eines Morgens erwachte Peter, er hatte sehr schlecht geschlafen diese Nacht. Sein ganzer Körper tat ihm weh und sein Blick fiel auf die Fensterbank, er erschrak, der Stein war verschwunden. Er suchte ihn im ganzen Haus und fand ihn nicht. An diesem Abend, als er wieder zu Bett gehen wollte, fand er ihn unter seiner Bettdecke. Deshalb hatte er so schlecht geschlafen, die ganze Nacht lag er auf dem Stein. Er trug den Stein wieder zu seinem Platz. Diesmal setzte er sich davor und begann für den Stein zu singen, er nahm die Rassel und begann für den Stein zu rasseln. Fremde, nie gekannte Worte kamen über seine Lippen, die Rassel erzeugte einen Klang, den er noch nie gehört hatte, sein Körper bewegte sich in einem eigentümlichen Rhythmus zu der Rassel, alt vertraut und doch neu. Aber es gefiel ihm, weil es seinem Herzen Ruhe gab und seine Seele sich öffnete. Plötzlich vernahm er ein leichtes Summen und Vibrieren. Peter sah zu dem Stein und erschrak erneut. Er veränderte sich, er bewegte sich auch so, als wenn er tanzen würde. Im Licht des Vollmondes veränderte er die Farbe, wurde bunt, teilweise durchsichtig und begann zu strahlen. Peter sang weiter und war fasziniert davon, was mit dem Stein geschah. Plötzlich hörte er eine zweite Stimme singen und er wusste, dass diese von dem Stein kam. So erzählte ihm der Stein nun seine Geschichte, er war so alt wie die Erde, wusste von ihrer Entstehung und von allem, was seither geschah. Er sang von den Winden und Wassern, der Sonne und dem Mond und von den fernen Sternen, wo seine Brüder und Schwestern lebten. Gemeinsam sangen sie das Lied der Schöpfung und der Weisheit.
  • Warum es gut und böse gibt…. es begann bereits:
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  • Das ist die Mutter Welt, von der ich erzählen will.
  • Wie vor vielen Tausenden von Jahren wohnte auch heute noch über der Erde die Mutter Welt. Die Mutter Welt hat zwei Söhne, der eine ist der geratene und der andere der ungeratene Sohn. Der eine ist gut oder Gottessohn und der andere nennt sie ihren schlechten oder Teufelssohn, der eine tut auch immer nur Gutes und der andere immer nur schlechtes.
  • Sie spielten den ganzen Tag mit den Sonnen, Monden und Sternen ihrer Mutter. Der gute Sohn sorgte dafür, dass die Monde erst auftauchten wenn die Sonnen verschwunden waren und er bemühte sich auch darum, dass von den Millionen Sternen jeder seine Bahn zog und keiner auf den anderen stiess, aber wenn er einmal von seiner Arbeit aufstand und wegging, kam Teufelssohn und brachte alles durcheinander. Zwei Sterne stiessen zusammen, platzten oder stürzten aus ihrer Bahn, einmal stand eine Sonne vor dem Mond und einmal ein Mond vor einer Sonne, einmal fiel sogar ein Stern in die Milchstrasse und es gab ein grosses Unglück. Es dauerte immer eine Weile bis Gottessohn alles in Ordnung gebracht und jedes Gestirn wieder seinen Weg ging.
  • Eines Tages sagte der gute Sohn zu seiner Mutter: Mutter, warum sind alle unsere Sterne kalt und tot? Ich möchte sie gerne warm und lebendig machen!
  • "Tu es, mein guter Sohn, wenn es dir Freude macht", sagte die Mutter Welt.
  • Gottessohn griff in die Sterne hinein und nahm sich unsere Erde heraus. Er machte zuerst ein Loch in sie, nahm eine der vielen kleinen Sonnen seiner Mutter und steckte sie hinein, damit die Erde warm würde. Dann nahm er eine grosse Sonne und stellte sie so auf, dass die Erde auch von aussen gewärmt werden konnte und das nannte er Tag und damit sie nicht zu warm wurde, musste sie der Mond wieder abkühlen, und das nannte er Nacht.
  • Als er mit dieser Arbeit fertig war, legte er sich hin und schlief. Da kam sein Bruder Teufelssohn und sah was Gottessohn gemacht hatte, und sofort tat er alles, um das Werk seines Bruders zu zerstören. Zuerst stach er winzige Löcher in den Erdball, dass die Sonne an vielen Stellen wieder herauskochte. Darauf verstellte er die Bahn der Sonne und des Mondes, dass die Sonne über der Erdmitte ihrer Kruste zu nahe kam, das Wasser verdampfte und alles wieder trocken wurde, und an den beiden Seiten war sie dafür so weit von ihnen entfernt, dass sich dickes Eis über die Erde zog und sie kälter wurden als je zuvor.
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  • Gottessohn sah zwar, was sein böser Bruder während er schlief mit seinem Werk getan hatte, aber er konnte es nicht mehr ändern, er konnte sein Werk nur fortsetzen und so formte er seine Erde weiter. Er schuf Täler und Berge, er liess Wasser fliessen und befruchtete alles und die Erde war schön anzusehen als die himmlische Welt.
  • Während er schlief, stand Teufelssohn wieder auf und er streute Sand über die fruchtbarsten Plätze, dass sie Wüste wurden, er warf Felsen in die Täler, dass sich die Wasser stauten und alles überschwemmten. Er zerhackte die Berge mit einem Messer, dass sie auf der einen Seite schön und sanft, auf der anderen Seite aber schroff und gefährlich waren und in die Meere schüttete er Salz und das salzige Wasser tränkte den Boden nicht mehr, es erstickte ihn.
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  • Gottessohn war zornig, als er sah wie sich Teufelssohn wieder an seinem Werk versündigt hatte und er versuchte das zweite Mal, die schlechten Taten seines Bruders mit guten zuzudecken. Er streute Samen über die Erde, und es wuchsen überall die herrlichsten Bäumen und Sträucher, Gräser und Pflanzen, Beeren und Blumen, und wo es zu heiss war für die Blätter und Bäume, machte er anstatt Blätter Stacheln, und wo es zu kalt war, durften die Bäume im Herbst ihre Blätter fallen lassen und bekamen im Frühling neue, und wo es ganz kalt war, bekamen sie Nadeln, und denen machte auch die schlimmste Kälte nichts aus.
  • Teufelssohn sah mit bösen Augen auf die Felder und Wälder, die Wiesen und die blumigen Hänge, und er wartete kaum, bis sein Bruder die Augen geschlossen hatte, da streute er eilig allerlei schlechte Samen zwischen den guten. Efeu und Lianen gingen auf, wanden sich um die Bäume und erdrosselten sie. Moos kroch die Stämme hinauf auf die kleinsten Äste, saugte sie aus und das Holz wurde morsch und zerbrach. Hunderte von Giftpflanzen wuchsen zwischen den guten Pflanzen und erstickten sie. Tausenderlei Unkraut schoss neben den guten Kräutern aus der Erde und nahm diesen die Nahrung, die Sonne und das Wasser.
  • Gottessohn liess sich aber auch durch diese Tat nicht von seinem guten Werk abbringen. Er schuf nun die ersten Lebewesen. Zuerst schuf er aus Erde und Wasser die Fische und liess sie im Meer, Seen und in den Flüssen schwimmen. Er machte grosse und ganz grosse, kleine und ganz kleine. Er machte solche die mit den Flossen und solche die mit den Schwänzen schwammen. Er malte sie bunt an, dass sie schön waren und alle Farben hatten, und die Fische tummelten sich in allen Flüssen und Bächen, in allen Seen und Meeren, und er gab ihnen auch verschiedene Mägen, so dass die einen das salzige Wasser und die anderen das süsse Wasser vertrugen, ja, er hauchte ihnen so viele Möglichkeiten ein, dass sie selbst aus dem süssen Wasser in das salzige und aus dem salzigen Wasser in das süsse schwimmen konnten.
  • Teufelssohn sah das und wurde blass vor Neid. Darauf ging er hin und versuchte auch dieses Werk seines Bruders zu zerstören. zuerst schärfte er einigen Fischen die Zähne, während er sie den anderen nahm. Den dritten machte er Stacheln auf den Kopf und den vierten auf den Rücken oder den Bauch, einigen machte er sogar das Maul zu einer Säge und anderen gab er die Kraft, dass sie schon durch ihre Berührung ihre grösseren und kleineren Brüder töten konnte; dann ging er noch einmal unter sie und flüsterte den grossen zu, sie sollten doch nicht nur vom Wasser und Luft leben, ihre kleinen Brüder schmecken viel besser, und den kleinen sagte er, sie sollten sich gegen sie wehren, deshalb habe er ihnen Zähne und Stacheln geben.
  • Als sich Gottessohn das vierte Mal von seinem Lager erhob, sah er sofort, was sein Bruder wieder angerichtet hatte. In allen Gewässern seiner Erde, ob sie nun still standen oder dahin flossen tobte ein Krieg zwischen den Fischen und die grossen versuchten die kleinen zu verschlingen, und die kleinen versuchten die grossen zu töten. jeder stellte dem anderen nach und statt des fröhlichen Lebens im Wasser herrschte Neid, Feindschaft, Missgunst und Rache.
  • Gottessohn war traurig, aber fasste schon wieder nach der Erde und Wasser und an diesem Tag schuf er die Vögel. Er machte wieder grosse und kleine, leichte und schwere Vögel und den grossen gab er grosse Schwingen, und die kleinen machte er dafür bunter und den grossen gab er gewaltige Stimmen, und den kleinen gab er zarte, aber auch schöne wie man sie noch nie auf der Welt gehört hatte, und die dritten das Fliegen und das Schwimmen, und alles war wohlgeraten und alle Vögel freuten sich.
  • Als Teufelssohn den Gesang hörte wurde er zum ersten Mal richtig wütend über seinen Bruder und er nahm sich vor, diesmal dessen Werk noch gründlicher zu zerstören als vordem. Einige Vögel schnitt er die Flügel ab, dass sie sich nicht mehr erheben konnten, anderen strich er ein schmutziges Grau über ihr buntes Gefieder, den dritten nahm er die Stimmen und liess sie dafür kreischen, den vierten schärfte er die Schnäbel, das sie Spitz und gefährlich wurden, den fünften gab er Krallen und feste Sporen an die Füsse, dann sagte er zu den grossen: "Wisst ihr eigentlich was die kleinen singen?" "Nein" antworteten die grossen Vögel, "das wissen wir nicht!" – "Sie beschimpfen euch" sagte er ihnen, "und nennt euch kreischende Missgeburten". Da ergrimmten die grossen Vögel, und wo sie einen kleinen singen hörten, stürzten sie sich auf ihn und wenn sie ihn fingen, frassen sie ihn oder brachten ihn zu ihren Kindern in ihre Nester, und als Gottessohn von seinem Schlaf erwachte und seine Vögel kaum noch singen hörte, wusste er schon, dass Teufelssohn wieder über seinem Werk gewesen war. Nur die grössten und stärksten Vögel waren noch in den Lüften, die kleinen hatten sich in den Wäldern und Büschen versteckt, trauten sich kaum noch aus ihnen hervor und wagten nur noch heimlich, ihn zu Loben und preisen.
  • Gottessohn setzte aber auch an diesen Tag sein Werk fort, und diesmal schuf er die Tiere. Er formte den Wolf und den Bären, dem Löwen und den Elefanten, den Hasen und das Rind, das Pferd und den Hund und einem schmückte er mit einem Rüssel und einen anderen mit einem Horn, den dritten mit starken Beinen und den vierten mit einer lauten Stimme und die Tiere tollten über die Berge und Täler, sie jagten sich und spielten miteinander, und es war eine Freude das alles mit anzusehen. Sogar Teufelssohn hatte seine Freude daran, aber nur kurze Zeit, dann trieb er wieder ein böses Spiel. Die grossen Tiere lehrte er das Brüllen und die kleinen das Zittern und wenn die grossen Tiere den kleinen begegneten, brüllten sie und die kleinen zitterten vor Angst und die grossen stürzten sich über sie, zerrissen sie und frassen sie auf. Das genügte aber Bruder Teufelssohn noch nicht. Er ging das zweitemal unter sie und sagte zum Löwen: "Der Wolf behauptet, er sei stärker als du", und zum Nashorn sagte er "Der Tiger erzählt, er könne dich mit einem Schlag seiner Pranke zu Boden schlagen", und es war noch nicht Abend geworden, da bekämpften sich auch die grossen Tiere untereinander, brauchten ihre Krallen, ihre Zähne, ihre Hörner und ihre Rüssel und Teufelssohn freute sich.
  • Da beschloss Gottessohn, wenigstens noch ein Lebewesen auf die Erde zu senden, das sich nicht bekämpfen würde. Er sagte sich "ich werde es nicht nur aus Erde und Wasser machen, wie die anderen Lebewesen, ich werde ihm auch etwas von mir geben. So schütze ich es vor meinem Bruder, denn Teuffelssohn wird keiner Kreatur etwas von sich schenken", und Gottessohn schuf den Menschen. Er machte ihm einen Kopf wie den Tieren, aber er tat auch etwas von seinem Kopf hinein. Er nahm etwas aus seinem Herzen und tat es in des Menschen Leib, damit der Mensch nicht nur seinem guten Bruder, sondern auch ihm ähnlich sei und als Gottessohn am anderen Tag sein letztes Werk betrachtete, sah er, dass auch dieses missraten war.
  • Die Menschen bekämpften, stritten und töteten einander schon genauso wie die Fische, die Vögel und die anderen Tiere, und wenn Gottessohn den Menschen auch sagte "Tut das nicht, das ist böse", so sagte Teufelssohn zu ihnen "Nein, das ist nicht böse und selbst wenn es böse wäre, so tut es trotzdem".
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  • Deswegen ist die Welt nicht immer so schön wie heute, weil sie nicht alleine von Gottessohn, sondern auch von Teufelssohn geschaffen wurde. Deswegen ist auch der Mensch nicht immer gut, sondern genauso oft schlecht, weil wir ebensoviel Gutes wie Böses in unserem kopf und unserem Herzen haben.
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  • Es war einmal eine Maus, ein geschäftiger Mäuserich, der überall suchte, mit seinem Schnurrbart das Gras streifte und sich umschaute. Wie alle Mäuse beschäftigte er sich mit Mäusedingen. Aber manchmal hörte er einen seltsamen Klang. Dann hob er den Kopf, blinzelte angestrengt, ob er etwas sah, die Schnurrbarthaare zuckten in der Luft, und er wunderte sich. Eines Tages huschte er zu einem Mäusekameraden und fragte ihn: „Hörst du ein Tosen in den Ohren, mein Bruder?“
  • „Nein, nein“, antwortete die andere Maus, ohne die geschäftige Nase vom Boden zu heben. „Ich höre nichts. Ich bin jetzt beschäftigt. Rede später mit mir.“
  • Dieselbe Frage stellte er einer anderen Maus, die ihn seltsam ansah. „Bist du verrückt im Kopf? Was für ein Klang?“ fragte sie und verschwand im Loch eines umgefallenen Baumwollstammes. Der kleine Mäuserich zuckte die Barthaare und ging wieder an seine Beschäftigungen, entschlossen, die ganze Sache zu vergessen. Aber da war wieder dieses Tosen. Es war schwach, sehr leise, aber es war da! Und eines Tages entschied er, den Klang näher zu erforschen, nur ein wenig. Er verließ die anderen geschäftigen Mäuse und huschte etwas abseits, um noch einmal hinzuhören. Da war er! Er hörte angestrengt zu, als plötzlich jemand Hallo sagte.
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  • „Hallo, kleiner Bruder“, sagte die Stimme, und der Mäuserich fuhr beinahe aus der Haut. Er bog Rücken und Schwanz zusammen, um wegzulaufen.
  • „Hallo“, sagte die Stimme wieder. „Ich bin´s, Bruder Waschbär.“ Und er war es tatsächlich! „Was tust du hier ganz allein für dich, kleiner Bruder?“, fragte der Waschbär. Der Mäuserich errötete und versteckte seine Schnauze dicht am Boden. „Ich höre ein Tosen in meinen Ohren, das ich erforschen will“, antwortete er zaghaft.
  • „Ein Tosen in deinen Ohren?“ entgegnete der Waschbär, während er sich zu ihm setzte. „Was du da hörst, kleiner Bruder, das ist der Fluss.“
  • „Der Fluss?“ frage der Mäuserich neugierig. „Was ist ein Fluss?“ „Komm mit mir, und ich werde dir den Fluss zeigen“, sagte der Waschbär.
  • Der kleine Mäuserich hatte furchtbare Angst, war aber fest entschlossen, ein für allemal herauszufinden, was es mit diesem Tosen auf sich hatte. „An meine Arbeit kann ich zurückkehren, “ dachte er bei sich, „wenn diese Sache geklärt ist, und vielleicht hilft mir diese Sache auch bei all meinem geschäftigen Untersuchen und Sammeln. Und meine Brüder sagten alle, es sei nichts. Ich werde es ihnen zeigen. Waschbär werde ich bitten, mit mir zurückzukommen, und ich werde den Beweis haben.“
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  • „In Ordnung, mein Bruder Waschbär“, sagte der Mäuserich, „führe mich zum Fluss. Ich werde mitkommen.“
  • Der kleine Mäuserich ging mit dem Waschbären. Sein kleines Herz klopfte wild in der Brust. Der Waschbär führte ihn auf seltsame Wege, und der kleine Mäuserich roch den Duft vieler Dinge, die hier vorbeigekommen waren. Oftmals bekam er große Angst, dass er beinahe umgekehrt wäre.
  • Schließlich erreichten sie den Fluss! Er war riesig und atemberaubend, an einigen Stellen tief und klar, an anderen trübe. Der kleine Mäuserich konnte nicht bis auf die andere Seite sehen, so weit war er. Er toste, sang, weinte und donnerte auf seinem Verlauf. Auf seienr Oberfläche sah der kleine Mäuserich, wie große und kleine Stücke der Welt mitgetragen wurden. „Er ist mächtig“, sagte der kleine Mäuserich und suchte nach Worten.
  • „Er ist großartig“, antwortete der Waschbär, „Aber jetzt möchte ich dich einem Freund vorstellen.“
  • An einer glatteren, flacheren Stelle war ein Seerosenpolster, leuchtend grün. Darauf saß ein Frosch, der war fast genauso grün wie das Blatt, auf dem er saß. Sein weißer Bauch hob sich klar davon ab.
  • „Hallo, kleiner Bruder“, sagte der Frosch, „willkommen am Fluss.“
  • „Ich muss dich nun verlassen“, fiel der Waschbär ein, „aber hab keine Angst, kleiner Bruder, denn ab jetzt wird der Frosch für dich sorgen.“
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  • Und der Waschbär ging fort, um am Flussufer nach Nahrung zu suchen, die er waschen und essen könnte.
  • Der kleine Mäuserich trat näher ans Wasser und sah hinein. Da sah er die Spiegelung einer ängstlichen Maus.
  • „Wer bist du?“ fragte der kleine Mäuserich die Spiegelung. „Hast du keine Angst, soweit da draußen in dem großen Fluss?“
  • „Nein“, antwortete der Frosch, „ich habe keine Angst. Von Geburt an ist mir die Gabe gegeben, sowohl über dem Fluss als auch in ihm zu leben. Wenn der Wintermann kommt und diese Medizin einfriert, kann man mich nicht sehen. Aber solange der Donnervogel fliegt, bin ich hier. Um mich zu besuchen, muss man herkommen, wenn die Welt grün ist. Ich, mein Bruder, bin der Hüter des Wassers.“
  • „Erstaunlich!“ sagte der kleine Mäuserich schließlich und suchte wieder nach Worten.
  • „Möchtest du gern Medizinkraft haben?“ fragte der Frosch.
  • „Medizinkraft?“ fragte der kleine Mäuserich. „Ja, ja! Wenn das möglich ist.“
  • „Dann duck dich so tief du kannst und dann spring so hoch du fähig bist! Du wirst deine Medizin bekommen!“ sagte der Frosch
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  • Der kleine Mäuserich tat, wie ihm geheißen. Er duckte sich so tief er konnte und sprang. Und als er sprang, sahen seine Augen die Heiligen Berge. Und er konnte seinen Augen kaum trauen. Aber da waren sie! Doch dann fiel er wieder hinunter und landete im Fluss!
  • Dort bekam er es mit der Angst zu tun und krabbelte zurück ans Ufer. Er war nass und fast zu Tode erschrocken.
  • „Du hast mir einen Streich gespielt“, schrie der kleine Mäuserich den Frosch an.
  • „Warte mal“, sagte der Frosch, „du bist nicht verletzt. Lass deine Angst und deinen Ärger dich nicht blenden. Was hast du gesehen?“
  • „Ich“, stammelte der Mäuserich, „ich, ich sah die Heiligen Berge!“
  • „Und du hast einen neuen Namen!“ sagte der Frosch. „Du bist jetzt Springmaus.“
  • „Danke, danke“, sagte Springmaus und dankte ihm abermals. „Ich möchte zu meinen Leuten zurückkehren und ihnen erzählen, was mir begegnet ist.“
  • „Gehe. Gehe nur“, sagte der Frosch. „Kehre zu deinen Leuten zurück. Es ist leicht, sie zu finden. Bewahre den Klang des Medizinflusses in deinem Hinterkopf und gehe in entgegengesetzte Richtung zum Klang. Dann wirst du deine Mäusebrüder finden.“
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  • Springmaus kehrte in die Mäusewelt zurück. Aber es war enttäuschend. Niemand wollte ihm zuhören. Und weil er nass war und das nicht erklären konnte, da es nicht geregnet hatte, bekamen viele der anderen Mäuse Angst vor ihm. Sie glaubten, er sei aus dem Maul eines anderen Tieres ausgespuckt worden, das ihn hatte fressen wollen. Und wenn er für das Tier nicht essbar war, dann musste er sicher auch für sie giftig sein.
  • Springmaus lebte wieder unter seinesgleichen, konnte aber den Anblick der Heiligen Berge nicht vergessen. Die Erinnerung brannte Springmaus in Kopf und Herz, bis er eines Tages zum Rand des Flusslandes ging...
  • Von der Grenze des Mäuselandes sah er hinaus in die Prärie. Er erblickte die Adler. Der Himmel war voller Punkte, jeder ein Adler. Aber er war fest entschlossen, zu den Heiligen Bergen zu gehen. Er nahm seinen ganzen Mut zusammen und flitzte so schnell er konnte auf die Prärie. Sein kleines Herz klopfte wild vor Aufregung und Angst. Und er lief, bis er einen Salbeistrauch erreichte, ruhte aus und versuchte, Luft zu holen, als er eine alte Maus sah. Der Salbeistrauch der alten Maus war eine Oase für Mäuse. Es gab reichlich Samenkörner und Material für den Nestbau und viele Dinge, mit denen man sich beschäftigen konnte.
  • „Hallo“, sagte die alte Maus. „Willkommen.“ Springmaus war erstaunt. So ein Ort und so eine Maus. „Du bist wirklich eine große Maus“, sagte Springmaus mit allem Respekt, den er aufbringen konnte. „Das ist wirklich ein wunderbarer Ort. Und die Adler können dich hier auch nicht sehen“, sagte Springmaus.
  • „Ja“, sagte die alte Maus, „und hier können wir alle Wesen der Prärie sehen, Büffel, Antilope, Kaninchen und Koyote. Von hier aus kann man sie alle sehen und ihre Namen kennen.“
  • „Das ist wunderbar“, sagte Springmaus.
  • „Kannst du auch den Fluss und die Großen Berge sehen?“
  • „Ja und nein“, antwortete die alte Maus mit Überzeugung. „Ich weiß, dass es den Großen Fluss gibt, aber ich fürchte, dass die Großen Berge nur ein Mythos sind. Vergiss deine Leidenschaft, sie zu sehen, und bleibe hier bei mir. Hier gibt es alles, was du wünschst, und es ist ein guter Ort zum Leben.“
  •  
  • „Wie kann er so etwas sagen?“ dachte Springmaus. „Die Medizin der Heiligen Berge kann man nicht vergessen.“
  • „Danke für die Mahlzeit, die du mit mir geteilt hast, alte Maus, und danke auch, dass du dein großartiges Zuhause geteilt hast“, sagte Springmaus. „Aber ich muss die Berge suchen.“
  • „Du bist töricht, von hier wegzugehen. Die Prärie ist voller Gefahren! Schau nur nach dort oben!“ sagte die alte Maus mit noch größerer Überzeugung. „Sieh all die Punkte dort! Das sind Adler, und sie werden dich fangen!“
  • Springmaus fiel es schwer, fortzugehen, aber nahm seine Entschlusskraft zusammen und flitzte wieder los. Der Boden war rauh. Doch er bog den Schwanz und leif mit aller Kraft. Er konnte, während er lief, die Schatten der Punkte auf seinem Rücken fühlen. All diese Punkte! Schließlich erreichte er ein Tollkirschgebüsch. Springmaus konnte seinen Augen kaum glauben. Dort war es kühl und luftig. Es gab Wasser, Kirschen und Samenkörner, Gräser für den Nestbau, Löcher zum Auskundschaften und viele, viele Dinge zum Sich-Beschäftigen. Und viele, viele Dinge zum Sammeln.
  • Er erforschte sein neues Terrain, als er etwas schwer atmen hörte. Schnell fand er heraus, wo das Geräusch herkam. Es kam von einem großen behaarten Hügel mit schwarzen Hörnern. Es war ein großer Büffel. Springmaus konnte kaum glauben, wie groß dieses Wesen war, das er da vor sich liegen sah. Er war so riesig, dass Springmaus in eines seiner großen Hörner hätte kriechen können.
  • „So ein majestätisches Wesen“, dachte Springmaus und kroch näher.
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  • „Hallo, mein Bruder“, sagte der Büffel. „Danke, dass du mich besuchst.“
  • „Hallo, großes Wesen“, sagte Springmaus. „Warum liegst du hier?“
  • „Ich bin krank und liege im Sterben“, sagte der Büffel. „Und meine Medizin hat mir gesagt, dass mich nur das Auge einer Maus heilen kann. Aber, kleiner Bruder, so etwas wie eine Maus gibt es nicht.“
  • Springmaus bekam einen Schreck. „Eines von meinen Augen“, dachte er, „eins von meinen winzigen Augen.“ Er huschte zurück ins Tollkirschgebüsch. Doch das Atmen wurde schwerer und langsamer.
  • „Er wird sterben“, dachte Springmaus, „wenn ich ihm nicht mein Auge gebe. Er ist ein zu großes Wesen, als dass ich ihn sterben lassen könnte.“ So ging er dahin zurück, wo der Büffel lag, und sprach mit zittriger Stimme: „Ich bin eine Maus. Und du, mein Bruder, bist ein großes Wesen. Ich kann dich nicht sterben lassen. Ich habe zwei Augen, und deshalb kannst du eines von ihnen haben.“
  • Kaum hatte er das gesagt, flog das Auge von Springmaus aus seinem Kopf, und der Büffel war geheilt. Er sprang auf die Beine, dass die ganze Springmauswelt erbebte.
  • „Danke mein kleiner Bruder“, sagte der Büffel. „Ich weiß von deiner Sucher nach den Heiligen Bergen und von deinem Besuch am Fluss. Du hast mir Leben gegeben, damit ich es weitergeben kann. Ich werde immer dein Bruder sein. Laufe unter meinem Buach, und ich werde dich bis zum Fuß der Heiligen Berge bringen, die Punkte am Himmel brauchst du nicht zu fürchten. Solange du unter mir herläufst, können die Adler dich nicht sehen. Sie sehen nur den Rücken eines Büffels.“
  • Sicher und vor den Punkten verborgen lief der kleine Mäuserich unter dem Büffel dahin, aber nur mit einem Auge war es angsteinflößend. Die großen Büffelhufe ließen bei jedem Schritt die ganze Welt erzittern. Schließlich kamen sie an einen Ort, wo der Büffel anhielt.
  • „Hier muss ich dich verlassen, kleiner Bruder“, sagte er. „Ich gehöre der Prärie an und würde auf dich fallen, wenn ich versuchte, die Berge hinaufzugehen.“
  • „Danke, ich danke dir“, sagte Springmaus. „Aber weißt du, ich hatte große Angst, wie ich so mit nur einem Auge unter dir herlief. Ständig fürchtete ich deine großen die Erde erschütternden Hufe.“
  • „Deine Angst war umsonst“, sagte der Büffel. „Denn meine Art zu gehen ist die Art des Sonnentanzes, und ich weiß immer, wo meine Hufe auftreffen werden. Nun muss ich in die Prärie zurück kehren, mein Bruder. Dort kannst du mich immer finden.“
  •  
  • Sofort begann die Springmaus, seine Umgebung zu erforschen. Hier gab es noch mehr als an den anderen Orten. Mehr Beschäftigungen und Samenkörner und andere Dinge, die Mäuse lieben, gab es im Überfluss. Bei seinem Auskundschaften stieß er plötzlich auf einen Grauwolf, der dasaß und überhaupt nichts tat.
  • „Hallo, Bruder Wolf“, sagte Springmaus.
  • Die Wolfsohren richteten sich auf, und seine Augen leuchteten. „Wolf! Wolf! Ja, das bin ich. Ich bin ein Wolf!“ Doch dann verdunkelte sich sein Geist wieder, und es dauerte nicht lange, da saß er wieder still da, völlig ohne Erinnerung daran, wer er war. Jedesmal, wenn Springmaus ihn erinnerte, wer er war, war er ganz angeregt über die Nachricht, doch dann vergaß er es schon bald wieder.
  • „So ein großes Wesen“, dachte Springmaus, „aber er hat kein Gedächtnis.“
  • Springmaus ging zur Mitte dieses neuen Ortes und war still. Lange Zeit lauschte er seinem Herzschlag. Dann plötzlich fasste er einen Entschluss und huschte zu dem Wolf zurück.
  • „Bruder Wolf“, sagte Springmaus.
  • „Wolf, Wolf!“ sagte der Wolf.
  • „Bitte, Bruder Wolf“, sagte Springmaus, „bitte höre mir zu. Ich weiß, was dich heilen wird. Es ist eines meiner Augen. Und ich will es dir geben. Du bist eine größeres Wesen als ich. Ich bin nur eine Maus. Bitte nimm es.“
  • Als Springmaus geendet hatte, flog sein Auge aus dem Kopf, und der Wolf war geheilt.
  • Tränen rannen ihm die Wangen hinunter, aber sein kleiner Bruder konnte sie nicht sehen, da er nun blind war.
  • „Du bist ein großer Bruder“, sagte der Wolf, „denn nun habe ich mein Gedächtnis wieder. Doch du bist nun blind. Ich bin der Führer in die Heiligen Berge. Ich werde dich dorthin bringen. Es gibt dort einen Großen Medizinsee, den schönsten See der Welt. Die ganze Weilt ist in ihm gespiegelt. Die Menschen, die Wohnstätten der Menschen und alle Wesen der Prärien und der Himmel.“
  • „Bitte, bring mich dorthin“, sagte Springmaus.
  • Der Wolf führte ihn durch den Kiefernwald des Medizinsees. Springmaus trank das Wasser aus dem See. Der Wolf beschrieb ihm die Schönheit dort.
  • „Ich muss dich hier verlassen“, sagte der Wolf, „denn ich muss zurückkehren, um andere zu führen, aber ich werde bei dir bleiben, so lange du wünschst.“
  • „Danke, ich danke dir, mein Bruder“, sagte Springmaus, „ich habe zwar Angst allein, aber ich weiß, dass du gehen musst, um anderen den Weg zu diesem Ort zu zeigen.“
  •  
  • Springmaus sass da und zitterte vor Angst. Weglaufen hatte keinen Sinn, da er blind war, aber er wusste, dass ihn hier ein Adler finden würde.
  • Er fühlte einen Schatten auf seinem Rücken und hörte den Klang, den Adler machen. Er machte sich bereit für den Schock. Und der Adler schlug zu! Springmaus fiel in tiefen Schlaf.
  • Dann wachte er auf. Die Überraschung, lebendig zu sein, war groß, aber jetzt konnte er auch sehen! Alles war verschwommen, aber die Farben waren wunderschön.
  • „Ich kann sehen! Ich kann sehen!“ sagte Springmaus immer wieder.
  • Eine verschwommene Gestalt kam auf Springmaus zu. Springmaus blinzelte angestrengt, aber die Gestalt blieb verschwommen.
  • „Hallo, Bruder“, sagte die Stimme. „Möchtest du eine Medizin haben?“
  • „Eine Medizin für mich?“ fragte Springmaus. „Ja! Ja!“
  • „Dann ducke dich so tief du kannst“, sagte die Stimme, „und springe dann so hoch du kannst.“
  • Springmaus tat wie ihm geheißen. Er duckte sich so tief er konnte und sprang! Der Wind ergriff ihn und trug ihn in die Höhe.
  • „Hab keine Angst!“ rief die Stimme ihm zu. „Halte dich an den Wind und vertraue!“
  • Das tat Springmaus. Er schloss die Augen und hielt sich an den Wind, der ihn höher und höher trug. Dann öffnete Springmaus die Augen, sie waren klar, und je höher er kam, desto klarer wurden sie. Springmaus sah seinen alten Freund auf einem Seerosenblatt auf dem wunderschönen Medizinsee. Es war der Frosch.
  • „Du hast einen neuen Namen“, rief der Frosch. „Du bist der Adler“.
  •  
  • (Indianisch. Aus: Geschichten des Herzens von Jack Kornfield & Christina Feldman, dort zitiert nach Hyemeyohsts Storm in seinem Roman "Sieben Pfeile")

Nach einer uralten überlieferten Geschichte der Tupis,
einem indigenen Volk Südamerikas.


Da saß ein Mensch ganz alleine… in tiefer Trauer.

Und alle Tiere kamen zu ihm und sagten: „Wir wollen dich nicht so traurig sehen…
deshalb darfst du dir von uns alles wünschen, was du willst.“
Der Mensch sprach: „Ich will gute Augen haben.“
Der Adler antwortete: „Du sollst meine haben.“
Der Mensch sprach: „Ich will stark sein.“
Der Jaguar sagte: „Du sollst so stark sein wie ich.“
Da sprach der Mensch: „Ich will die Geheimnisse der Erde kennen.“
Die Schlange antwortete: „Ich zeige sie dir.“
Und so kamen alle Tiere an die Reihe.
Und als der Mensch alles hatte, was sie geben konnten, ging er fort.
Da sprach die Eule zu den anderen Tieren: „Nun weiß der Mensch so viel und kann vieles tun …
Plötzlich habe ich Angst.“
Der Hirsch sagte: „Der Mensch hat alles, was er braucht. Jetzt ist er nicht mehr traurig.“
Aber die Eule antwortete: „Nein. Ich sah eine Leere in dem Menschen… so groß wie ein Hunger,
den er nie stillen kann. Deshalb ist er traurig und will immer mehr. Er wird immer weiter nehmen und nehmen
bis die Welt eines Tages sagt: „Es gibt mich nicht mehr und ich habe nichts mehr zu geben.“

Lebensrad in Verdings (um 1735) bei Klausen / Südtirol

 

"Jemand hat mir mal gesagt,

die Zeit würde uns wie ein Raubtier ein Leben lang verfolgen,

ich möchte viel lieber glauben,

dass die Zeit unser Gefährte ist,

der uns auf unserer Reise begleitet

und uns daran erinnert,

jedem Augenblick zu geniessen...

 

….was wir hinterlassen ist nicht so wichtig,

sondern die Art wie wir gelebt haben.

 

Denn letztlich, sind wir alle nur in einer sterblichen Hülle!"

Dagon

 

Nach einer griechischen Mythologie….

 

So manchen Erzählungen und Überlieferung der alten Sagen, spiegelt sich immer wieder in der Gegenwart...., sie werden nur anders Erzählt...

 

Für seine grosse Liebe Eurydike ging Orpheus nach ihrem Tod in die Unterwelt. Charon, der Fährmann über die Styx, liess ihn passieren und setzte ihn über. Angekommen in der Unterwelt erklang das Wehklagen des Orpheus.
So schmerzlich, bitter und doch schön klang seine Stimme und Gesang, etwas dergleichen war noch niemals zuvor in der Unterwelt zu hören gewesen.
Alle in der Unterwelt und ja sogar Hades selbst wurde übermannt von dem bitteren Wehgesang des Orpheus. Der Gesang des Orpheus weckte Gefühle in ihm, die er nie zuvor erfahren hatte. Also erlaubte er Orpheus seine Frau wieder ins Reich der Lebenden zu nehmen unter einer Bedingung:
Er möge sie bis zum Ausgang aus der Unterwelt nicht anschauen.
Orpheus stimmte zu und machte sich auf den Weg zum Ausgang.
Hades hatte ihm versprochen dass Eurydike ihm folgen würde.
Orpheus lauschte angestrengt auf dem Weg nach draussen.
Doch er hörte nichts... kein Keuchen, kein Atmen, keine Schritte hinter ihm, ja überhaupt schienen sämtliche Geräusche abgestorben zu sein.
Eine absolute Stille umfasste ihn. Nur seiner eigenen Schritte war er gewahr. Langsam begann er zu verzweifeln. Hin- und hergerissen verlangsamten sich seine Schritte. Obwohl er noch Hades Versprechen vor Augen hatte hielt er es schliesslich nicht mehr aus und drehte sich um.
Da stand sie... seine Eurydike wie ein Schatten und schaute traurig in die Leere.
Orpheus, seines Irrtums gewahr griff sodann nach seiner Geliebten.
Doch der Griff... er ging ins Leere...
Hades erschien und verwehrte ihm den Zutritt in die Unterwelt.
Am anderen Ufer der Styx sang Orpheus 7 Tage lang, er klagte und weinte doch Hades blieb hart.


Was sagt uns diese Mythologie....

Eine Entscheidung kann dein Leben für immer verändern....
 

Motherdrum Healing, Muttertrommel, Tawasentha

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