Mahnung an Salat-Esser: Auch Pflanzen wollen leben
Natürlich gibt es gute Gründe dafür, Fleisch zu essen. Die Natur ist nun mal ein Kreislaufsystem, in dem - um selber zu überleben – die Größeren die Kleineren fressen. Wohl nicht aus Zufall hat uns die Natur auch mit einem dentalen Mischgerät ausgerüstet, was uns zu einem polyvalenten Beißer macht. Die Frage ist nur: Müssen wir? Unbedingt und immer? Müssen wir wirklich harmlose Tiere verspeisen, wenn wir eine andere Wahl haben?
Die Antwort ist einfach: nein. So wenig wir auch gezwungen sind, Pflanzen zu manschen. Es gibt ebenso viele gute Gründe, unsere Flora vor unserem Appetit zu schützen wie die Fauna. Natürlich haben Sie vor lauter Motorenlärm noch nie wahrgenommen, welch unsägliches Stöhnen den Garten durchdringt, wenn Sie wie ein Terminator mit dem Rasenmäher über die armen Gräslein wüten. Und wahrscheinlich sind auch Ihre Ohren zu stumpf, um die Schreie zu hören, wenn Sie völlig gefühlskalt mit der Rebschere auf wehrlose Ästchen und arme Früchtchen losgehen. Wäre Ihnen je das fürchterliche Todesröcheln beim Fällen eines Baumes durch Mark und Bein gedrungen, würden auch Sie aufhören, sich gedankenlos an unserer Pflanzenwelt zu vergreifen!
Lebewesen mit ihren besonderen Gefühlen und Träumen sind nicht nur wir, die Rinder, Schnecken oder Muscheln. Auch die Bäume, Salate und selbst das Moos. Wie auch immer man es betrachtet: Moralisch rechtfertigt nichts dem frevlerischen Vergriff an fremden Spezies.
Deshalb wäre es höchste Zeit, endlich auch die Vegetarier daran zu erinnern. Grundsätzlich sollte es nur noch erlaubt sein, sich von der eigenen Art zu ernähren, um so das Gleichgewicht der Natur wieder herzustellen.
John Maynard
John Maynard!
"Wer ist Maynard?"
"John Maynard war unser Steuermann,
Aushielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron',
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."
Die "Schwalbe" fliegt über den Eriesee,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee,
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann;"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund':
"Noch dreißig Minuten... Halbe Stund'."
Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
"Feuer!" war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajüt' und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.
Und die Passagiere, buntgemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich's dicht,
Und ein Jammern wird laut: "Wo sind wir? wo?"
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. -
Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
"Noch da, John Maynard?"
"Ja, Herr. Ich bin."
"Auf den Strand! In die Brandung!"
"Ich halte drauf hin."
Und das Schiffsvolk jubelt: "Halt aus! Hallo!"
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. -
"Noch da, John Maynard?" Und Antwort schallt's
Mit ersterbender Stimme: "Ja, Herr ich halt's!"
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die "Schwalbe" mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!
Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!
Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell'n
Himmelan aus Kirchen und Kapell'n,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug' im Zuge, das tränenleer.
Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
"Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron',
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John
Maynard."
(Theodor Fontane)